Ausstellungsansicht (Foto: Museum St. Wendel)

In der Dauerausstellung wird das vielseitige künstlerische Schaffen der Malerin präsentiert. Zudem wird ihr Werk und ihre Biografie in das damalige Zeitgeschehen eingebettet. Die Geschichte der Künstlerin Mia Münster ist ohne Berücksichtigung ihres gesellschaftlichen Umfeldes kaum mehr zu verstehen. Wer kann in der heutigen Zeit schon den „Kampf“ erahnen, der notwendig war, ihren Wunsch, Künstlerin zu werden, zu verwirklichen? Oder das Entsetzen, dass nach den erfolgreichen „goldenen Zwanzigern“ in Berlin die Nazidiktatur alles zuvor Aufgebaute zerstört? Beharrlich versucht Mia Münster mit ihrer Kunst zu überleben. Schließlich muss sie nach dem Krieg die Enttäuschung verkraften (wie auch viele ihrer Zeitgenossen), dass ihre Art zu malen inzwischen als unmodern galt. Bis zum Schluss gelingt es ihr aber trotzdem als Künstlerin zu bestehen. Das Museum St. Wendel besitzt zahlreiche Werke aus dem Schaffen Mia Münsters. Zeichnungen, Aquarelle, Ölgemälde und Monotypien geben einen Überblick und Einblick in die verschiedenen Phasen ihrer Entwicklung als Künstlerin. Ergänzt wird die Sammlung durch private Leihgaben. Dokumente und Fotos aus dem Nachlass geben einen Einblick in das Leben der Malerin und in zeitgeschichtliche Zusammenhänge.

Frühe Jahre

Für die 1894 geborene St. Wendeler Künstlerin stand schon in der Jugendzeit fest, dass sie einmal Malerin werden würde. Nachdem sie erste familiäre Widerstände überwunden hatte, konnte sie 1912 eine private Kunstschule in Düsseldorf besuchen. Diese Ausbildung währte jedoch nur kurz. Während des 1. Weltkrieges lebte sie wieder in ihrer Heimatstadt und arbeitete als Bürogehilfin beim Stadtbürgermeisteramt. Ab 1919 konnte sie ihre Studien, erst an der Staatlichen Akademie für Graphische Künste und Buchgewerbe in Leipzig, dann in München an der Staatlichen Kunstgewerbeschule, fortsetzen. War Frauen vor dem Krieg der Weg an die Akademien verwehrt geblieben, wurden sie jetzt, wenn auch zögerlich, aufgenommen. Sie fanden jedoch meist leichter Zugang zum Kunstgewerbe, da ihnen immer noch das eigenständige Schaffen von Kunst abgesprochen wurde. Als Gebrauchsgrafikerin konnte sich Mia Münster aber auch das Studium selbst finanzieren. Sie arbeitete unter anderem als Trickfilmzeichnerin beim Moewe -Filmverlag. Nach einem einjährigen Lehrauftrag für textile Gestaltung an der Kunstgewerbeschule in Saarbrücken, ging sie 1925 nach Berlin.

Portrait Mia Münster

Porträt Mia Münster, 60er Jahre (Foto: Fotoatelier Nitz, St. Wendel)

Aquarelle, 20er Jahre (Foto: Museum St. Wendel)

Modezeichnungen

Mitten in den Goldenen Zwanzigern studierte sie an der privaten Reiman-Schule. Die 1902 von Albert Reimann gegründete Schule bot Unterricht in den freien und angewandten Künsten an. Daneben wurden Ausstellungen organisiert und Bälle gefeiert. In dieser Zeit entstanden zahlreiche Kostümentwürfe Münsters. Clowns und Harlekins begannen den Aquarellblock der Künstlerin zu bevölkern. Ihren Unterhalt verdiente sie weiterhin mit dem Anfertigen von Grafiken. Für Zeitschriften entstanden Titelblätter und Modezeichnungen. Diese spiegeln ganz den Zeitgeist der 20er wieder. Die Damen tragen Bubikopf und Wasserwelle, dazu Glockenhut und Federboa. Die Zeichnungen präsentieren selbständige und selbstbewusste Frauen in kurzen Kleidern und eleganten Abendroben in der Großstadt.

Lothringer Bilder

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten fand all das ein Ende. Reimann musste als Jude die Schule verkaufen. Nach der Reichsprogromnacht emigrierte er nach London. Münsters Modegrafiken waren nicht mehr gefragt. So ging die Künstlerin zurück nach St. Wendel und ließ sich hier endgültig nieder. Sie begann als freischaffende Künstlerin zu arbeiten und fand neue Motive für ihre Aquarelle und ersten Ölbilder. Stadtansichten von St. Wendel verkauften sich gut und daneben illustrierte sie Artikel für die Saarbrücker Zeitung. Nach dem Anschluss an Deutschland traten auch saarländische Künstler der Reichskulturkammer bei. So auch Mia Münster, die Anfang der 40er Jahre zusammen mit den Künstlern Fritz Grotemeyer und Fritz Zolnhofer von der Behörde den Auftrag bekam, die ehemaligen Kriegsgebiete in den lothringischen Dörfern zu malen. Dieses Gebiet ist menschenleer, da die Einwohner bereits 1939 evakuiert wurden, um die Gebäude abzureißen und nach deutschem Vorbild wieder aufzubauen. Münster hielt die vom Krieg beschädigten Bauernhäuser und verlassenen Straßen fest, daneben auch die malerischen Landschaften, die sie hier vorfand.

Mia Münster beim Zeichnen (Foto: Paul Nicolaus)

Am Fruchtmarkt St. Wendel, Öl/Leinwand, um 1969

St.Wendel und Umgebung

Nach dem Krieg blieben ihre Bilder gegenständlich trotz der in dieser Zeit vorherrschenden Hinwendung zur Abstraktion. Immer wieder waren die Stadt St. Wendel und die umliegenden Orte und Landschaften Motive von Aquarellen, Zeichnungen und Ölgemälden. Sie halten die verwinkelten kleinen Gassen, die Basilika und die Menschen, die hier wohnten fest. Im Gegensatz zu den Modezeichnungen waren es jetzt St. Wendeler Bürger oder Arbeiter, die im Alltag porträtiert wurden. Doch Mia Münster malte nicht nur Ansichten der Stadt, ihre Kunst fand auch Eingang in den öffentlichen Raum. So gestaltete sie Wände für Schulen, Häuser und öffentliche Gebäude in der ganzen Umgebung. Zahlreiche Reisen in den Süden inspirierten sie zu neuen Landschafts- und Architekturansichten. Ab den 60er Jahren fanden Monotypien Einzug in ihr Werk, das mit den Stadtlandschaften auch abstrakter wurde. Mia Münster starb 1970 mit 76 Jahren.