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Herzogin Dorothea Luise Pauline Charlotte Frederike Auguste von Sachsen, Gräfin von Pölzig und Beiersdorf, geb. Prinzessin von Sachsen Gotha-Altenburg, geschiedene Herzogin von Sachsen-Coburg-Saalfeld

 

Luise wurde am 21. Dezember 1800 in Gotha geboren. Ihre Mutter starb kurz nach der Geburt der Tochter.

 

Am 24. April 1802 heiratete ihr Vater, Emil Leopold August, die Prinzessin Caroline Amalie, eine Tochter des Kurfürsten Wilhelm I. von Hessen-Kassel. Diese bemühte sich sehr um ihre Stieftochter, und überließ deren Erziehung nicht nur, wie an den Fürstenhöfen in jener zeit üblich, ausschließlich den Gouvernanten.

 

Ernst I. von Sachsen-Coburg-Saalfeld (geb. 1784), hielt im Jahre 1815 in Gotha um Luises Hand an. Luise war eine interessante und vermögende Heiratskandidatin. Aber die Heiratspläne Ernst I. stießen in der gothaischen Herzogfamilie auf Widerstand. Luises Stiefmutter kritisierte den großen Altersunterschied zwischen Luise und Ernst I., der zu diesem Zeitpunkt fast doppelt so alt wie Luise war. Schließlich gab Caroline ihren Widerstand gegen diese Heirat auf, weil sich Luise in Ernst I. verliebt hatte.

 

Am 7. August 1817 heirateten Luise und Ernst I. in Gotha.

 

Anfänglich bemühte sich Ernst I. sehr um seine junge Frau. Am 21. Juni 1818 wurde Luise „nach 32-stündiger gefahrvoller Lage, zu allgemeiner Freude mit einem Erbprinzen [Ernst] entbunden und darauf beiderseits von Gott mit den besten Wohlbefinden beschenkt“.

 

Bereits vor der Geburt des zweiten Sohnes Albert am 26. August 1819 gab es Anzeichen von Unstimmigkeiten in der Ehe des Herzogpaares. Eine erste ernsthafte Krise zeichnete sich gegen Ende des Jahres 1820 ab. Ernst I. blieb immer häufiger dem coburgischen Hof fern, u.a. verbrachte er sehr viel Zeit mit der Jagd (zwischen 1809 und 1813 tätigte Ernst I. etwa 90.000 Abschüsse!).

 

Sicher sind auch die amourösen Eskapaden Ernst I. Luise nicht verborgen geblieben, denn im März 1821, schrieb sie ihm während eines Aufenthaltes bei ihren Eltern in Gotha: „Vergiß mich nicht ganz für alle Schönen deines Landes und sei überzeugt, daß ich stets deine treueste Freundin und deine dir würdige Gattin bin“.

 

Wachsendes Misstrauen und Luises Befürchtung, ihre Liebe zu Ernst I. würde unerwidert bleiben überschatteten die Beziehung des Herzogpaares. Ausgerechnet in dieser Situation unterstellte Ernst I. ihr eine Affäre mit Alexander Graf zu Solms. Gegen keinen der Vorwürfe, die je gegen Luise erhoben worden sind, hat Ernst I. sie öffentlich in Schutz genommen. Diese Haltung verurteilte selbst seine Schwester Sophie: „Was mich zur Furie machen würde, wenn ich seine Frau wäre, ist, daß er sie bey jedermann herunter setzt und über sie spricht“.Luises Bestrebungen sich abzulenken und aus der „Enge“ des coburgischen Hoflebens und ihrer Einsamkeit auszubrechen, äußerten sich nicht nur in ihrer Teilnahme an rauschenden Festen oder sonstigen Vergnügungen, sondern auch in ihren ernsthaften Bemühungen sich im Herzogtum sozial zu engagieren. In den ersten Jahren regte sie Projekte an, die die wirtschaftlichen Verhältnisse der „ärmeren Classe in Coburg lindern sollten“, u.a. plante sie, die Söhne der Ärmsten bei den coburgischen Handwerkermeistern in die Lehre zu geben und die Kosten aus ihrem Privatvermögen zu bezahlen. Letzteres stieß auf den Widerstand Ernst I., der als ihr „ehelicher Vormund“ das Privatvermögen Luises verwaltete.

 

Wegen einer angeblichen „Affäre“ Luises mit dem Hofjunker Gottfried von Bülow trennte sich das Ehepaar im Jahre 1824.

 

Die Trennung hatte wahrscheinlich andere Gründe: Ernst I. glaubte, Luise hätte seine Untertanen gegen ihn aufgebracht. Später hat Ernst I. diesen Irrtum selbst zugegeben: „Luise ist das Opfer einer abscheulichen Intrige geworden, an der der größte Teil meines Hofes Anteil hatte“. Allerdings liefert ein Brieffragment aus der Hand Ernst I. einen ersten Hinweis auf eine andere „Affäre“ der Herzogin, denn er schreibt, dass er aus den Briefen Luise’s, von der engeren Beziehung Luises zu Maximilian von Hanstein, „Stallmeister“ am coburgischen Hof, erfahren habe.

 

Anfang September 1824 reiste Luise zur Kur nach Bad Brückenau. Da sie aber „wegen des herannahenden Winters dort nicht mehr verbleiben konnte, wurde ihr fernerer Aufenthalt in St. Wendel bestimmt“. Ursprünglich sollte Luise nur wenige Monate in St. Wendel bleiben, denn der Trennungsvertrag vom 2. September 1824 enthielt eine Klausel, die Luise den Aufenthalt in einem gothaischen-altenburgischen Schloss zusicherte. Die Einhaltung dieser Zusage scheiterte an dem Widerstand der Großmutter Luises und ihrer Stiefmutter. Ernst I. kam diese Entwicklung nicht ungelegen, denn die Anwesenheit Luises in St. Wendel sorgte für Ruhe im Fürstentum Lichtenberg.

 

Am 31. März 1826 wurde das Herzogpaar geschieden. Luises Bedingungen, u.a. der Wunsch, dass sie alle zwei Jahre ihre Söhne sehen kann, wurden nicht erfüllt. Auch finanziell wurde sie benachteiligt.

 

Im gleichen Jahr, am 16. Oktober, heirateten Luise und Maximilian Elisäus Alexander Freiherr von Hanstein in St. Wendel, nachdem Luises Onkel, der Herzog von Hildburgshausen, die rechtliche Grundlage für diese Heirat durch die Erhebung Hanstein’s in den Grafenstand geschaffen hatte: Künftig durfte Hanstein sich „Graf von Pölzig und Beiersdorf“ nennen.

 

Luise verlebte mit Maximilian in St. Wendel eine glückliche Zeit, die allerdings von ihrer Trauer über die erzwungene Trennung von ihren Kindern überschattet wurde. Der Aufenthalt Luises hat St. Wendel, wie oft behauptet, den „Flair“ einer Residenz verliehen. Nicht wenige folgerten hieraus, Luise habe das gesellschaftliche Leben der Stadt geprägt. Tatsächlich aber hat sie sich diesem weitgehend entzogen, auch wenn sie hin und wieder an Maskenbällen, Theateraufführungen etc. teilgenommen hat. Dennoch waren Luise und ihr Mann in der Bevölkerung sehr beliebt. Ein Grund für diese Treue und Verehrung war ihr soziales Engagement. Beide wandten alljährlich erhebliche Geldmittel auf, um die städtische Armenkasse bzw. einzelne in Not geratene Familien finanziell zu unterstützen. An jedem „Weihnachtsfest bescherte die Herzogin die armen Kinder der Stadt im Schloßsaale mit praktischen Geschenken und Süßigkeiten“.

 

Dem Paar wurde der Aufenthalt in der Stadt durch die ständigen Auseinandersetzungen mit der herzoglichen Regierung schwergemacht, denn diese verzögerten immer wieder dringend notwendige Renovierungen am Schloss. Bereits im Sommer 1825 hatte Luise darum gebeten, das Gartenhaus in dem herrschaftlichen Garten bei dem Dorf Niederweiler (dem Gelände des heutigen Bahnhofes) benutzen zu dürfen. Das Haus war in Oktober 1824 im Herzoglichen Besitz gekommen und aufwändig in Stand gesetzt. Während der Sommermonate bewohnte Luise dieses Gartenhaus und in der Winterzeit zog sie in das Schloss.

 

Am 30. August 1831 starb Luise, Gräfin von Pölzig, geb. Prinzessin von Sachsen Gotha-Altenburg. Ihr Leichnam wurde in Paris einbalsamiert und sollte nach Deutschland gebracht werden. Für die tote Luise begann eine wahre Odyssee. Der Sarg wurde nach Saarbrücken transportiert, von dort nach Ottweiler und in einem dortigen Gasthaus abgestellt. Anschließend wurde der Leichnam, nachdem die St. Wendeler Stadtväter die Genehmigung erteilt hatte, nach St. Wendel gebracht und in dem Niederweiler Gartenhaus aufgestellt. Die St. Wendeler Bürgerschaft erklärte sich spontan bereit, den Leichnam zu bewachen. Am 19. Dezember 1832 wurde Luise schließlich in Pfeffelbach bestattet.

 

Nach dem Tode Ernst I. (1844) bemühten sich ihre Söhne um die Umbettung ihrer toten Mutter. Sie entschieden sich für eine Überführung in die Fürstengruft (Moritzkirche) nach Coburg.